Jesus sieht die Geringsten: Dank an Pflegende
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Amen, das sage ich euch: Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt - und wenn sie noch so unbedeutend sind -, das habt ihr für mich getan. Matthäus 25,40 (BasisBibel)
Folgende Fallstudie legte der Medizinprofessor seinen Studenten vor: Die Patientin spricht nicht und versteht kaum, was man sagt. Sie brabbelt stundenlang vor sich hin und weiß nicht, wer sie ist oder wo sie ist. Sie reagiert jedoch auf ihren Namen. Sie achtet weder auf ihr Äußeres noch auf ihre Körperpflege. Ihre Nahrung muss püriert werden, und wenn sie isst, verschmiert sie das Essen im ganzen Gesicht. Ihr Schlafverhalten ist unregelmäßig und sie wacht häufig schreiend auf. Meist ist sie vergnügt, aber manchmal offenbar zornig ohne ersichtlichen Grund.
Nachdem die Studenten vergeblich nach einer Diagnose gegrübelt hatten, stellte er ihnen die Frage: „Wer würde sich bereit erklären, diese Person zu pflegen?“ Als sich niemand meldete, sagte er: „Das wundert mich. Mir macht diese Aufgabe viel Freude. Es handelt sich um meine sechs Monate alte Tochter.“
Na, dann ist ja alles gut, denkt man sich bei der Pointe. Das geht ja weg! Das Baby bleibt nicht immer klein. Ganz anders aber sieht es für Tausende von Menschen aus, die ihre Angehörigen oder Patienten pflegen. Oder die solche Pflege in Anspruch nehmen müssen.
Nun mag es problematisch klingen, den heutigen Bibeltext auf diese Situationen anzuwenden. Wie kann Jesus Menschen als unbedeutend oder gering (im Original sogar: „die Geringsten“) einstufen? Ich glaube, er hält uns hier schon den Spiegel vor. Wir sortieren und ordnen Menschen für uns nach ihrer Bedeutung ein: von überaus wichtig und bedeutsam bis hin zu unbedeutend. Vor Gott aber ist jeder Mensch bedeutsam. Besonders bedeutsam ist es für Gott, wenn man sich um die kümmert, die durch unser gesellschaftliches (und kirchliches) Raster fallen, weil sie manchmal nur noch sind, aber nichts mehr können oder leisten.
Dieser Text ist eine gute Gelegenheit, um über zwei Dinge nachzudenken: sich selber daran zu erinnern, dass wir immer nur einen Unfall oder ein paar Jahre davon entfernt sind, selber hilfsbedürftig zu werden. Und zweitens: ein großes Dankeschön an alle, die in der Pflege tätig sind. Ihr habt einen besonderen Platz im Herzen Gottes.
Dennis Meier
© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung
Die hier wiedergegebene Andacht ist aus dem Andachtsbuch des Advent-Verlag Lüneburg entnommen. Die folgenden Links führen zu verschiedenen Versionen des aktuellen Andachtsbuchs: als Buch, als PDF.
