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23-01-08 Gott in Ewigkeit

Autor: caspar 01.01.2023

Waldkapelle am See

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Matthäus 6,9–10

Vor etlichen Jahren erwarb ich ein kleines Buch aus dem Bücherbestand eines bayerischen Pfarrers. Das Werk aus dem Jahr 1865 trägt den Titel: Ulfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gotischen Sprache. Gotisch ist gleichsam der Urgroßvater der deutschen Sprache, eine Sprache, die vor 1700 Jahren im östlichen Donauraum, dem heutigen Rumänien, gesprochen wurde. Das Büchlein enthält die vier Evangelien in Gotisch, übersetzt von Ulfilas, dem ersten Bischof der Ostgoten im 4. Jahrhundert. Das kleine Werk steht in meiner Bibliothek an einem prominenten Platz. So kam es wieder einmal, dass ich das Matthäusevangelium aufschlug, um die ersten Worte des Vaterunsers in dieser alten Sprache an meine Ohren klingen zu lassen: „Atta unsar, thu in himinam! Veihnai namo the; qimai thiudinassus thes; vairtai vilja thes, sve in himina jah ana airtai." Ulfilas hat für seine gotische Bibelübersetzung griechische und lateinische Texte benutzt. Die Christen im Westen des Römischen Reiches vernahmen das Vaterunser im lateinischen Wortlaut: „Pater noster, qui es in caelis: sanctificatur nomen tuum. Adveniat regnum tuum, fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra." Die Christen im Osten beteten auf Griechisch: „Patèr hèmon, ho en tois ouranois! Hagiastheto to onoma sou; eltheto hè basileia sou; genethèto to telema sou hos en ourano kai epi tés gés." Das sind nur drei der zahllosen antiken Sprachen, die das Vaterunser an die Ohren der Menschen getragen haben. Heute werden sie nur noch von einzelnen Experten gelernt und gelehrt. Die Völker, die sie einst gesprochen haben, sind in anderen Kulturen aufgegangen. So ist der Lauf der Dinge: Völker kommen und gehen; Sprachen entstehen und geraten in Vergessenheit, aber das Gebet, das Jesus einst in den Mund seiner Jünger gelegt hatte, überlebte den Untergang der Völker und der Kulturen und wird die Menschheit bis ans Ende der Tage begleiten. Worin liegt die Kraft dieses Gebets, die es gegen den Wandel der Zeit so resistent macht? Es sind Worte Jesu, Worte der Verheißung: Gott hat für uns eine Zukunft. „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen." (Mt 24,35)

Thomas Domanyi

Bibellese:
Morgens: 1. Mose 20–22
Abends: Matthäus 7

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

Die hier wiedergegebene Andachte ist aus dem Andachtsbuch des Advent-Verlag Lüneburg entnommen. Die folgenden Links führen zu verschiedenen Versionen des aktuellen Andachtsbuchs: als Buch, als PDF.  

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